EmK Geschichte

EmK Geschichte

Quellen - Studien - Mitteilungen. 1/2011

Glaubenswege - BildungswegeEditorial
Liebe Leserinnen und Leser,

in diesem Heft erwarten Sie erneut anregende Beiträge zum tieferen Verständnis historisch-theologischer Fragestellungen und Zusammenhänge des deutschsprachigen internationalen Methodismus:

  • Dr. Rüdiger Minor, von 1986 bis 1993 Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in der DDR, dann bis 2005 Bischof des Eurasischen Sprengels der Nordosteuropäischen Zentralkonferenz der United Methodist Church, erörtert den Übersetzungsprozess der „Sozialen Grundsätze“ der EmK im Kontext eines sozialistischen Staates, der damaligen Deutschen Demokratischen Republik. Die Darlegung bietet als offizieller Entwurf ein Pendant zu dem des „Arbeitskreises evangelisch-methodistischer Christen für gesellschaftliches Handeln“, der bereits in EmK Geschichte 23/2002, Heft 2 zur Sprache kam. Nachvollziehbar werden die besonnenen Erwägungen zur Adaption des von der Generalkonferenz der UMC 1972 verabschiedeten Textes dargelegt und der Textentwurf mit den Veränderungen und Ergänzungen vorgestellt, so wie ihn die Jährliche Konferenz der EmK in der DDR 1979 als Arbeitspapier entgegen nahm – ein noch heute zur Reflexion anregendes Schriftstück.
  • Den Fragen, ob und wenn ja, inwiefern die Anliegen der Weltgebetstags-Bewegung und die auffällige Involvierung methodistischer Frauen im ökumenischen Geist John Wesleys wurzeln und – daran anknüpfend – im Selbstverständnis der Evangelisch-methodistischen Kirche bis heute zu finden sind, geht Stefanie Reinert nach. Sie hat nach ihrem Theologiestudium in Tübingen, Heidelberg und Wuppertal das für zukünftige Pastorinnen und Pastoren obligatorische Ergänzungssemester an der Theologischen Hochschule der EmK in Reutlingen absolviert. Die hier abgedruckte Studie ist eine gekürzte Fassung ihrer ausgezeichneten Hausarbeit im Fach Methodismus. Stefanie Reinert beginnt im Herbst ihren Dienst auf dem EmK-Bezirk Villingen-Schwenningen.
  • Ulrich Ziegler, Pastor der EmK in Pliezhausen und Mitglied des Beirates der Studiengemeinschaft, hat sich dem Kirchenbau als Ausdruck kirchlichen Selbstverständnisses, geprägt durch theologisch-liturgische Pointierungen wie auch Zweckorientierungen zugewandt. Er stellt Beobachtungen zu Veränderungen architektonischer Gestaltungen an und versucht, Beweggründe hierfür zu eruieren.
  • Zwei kleinere Studien hat Prof. Helmut Nausnererarbeitet. Er präsentiert zunächst die anhand von Quellen differenziert dargelegte Sichtweise John Wesleys zur Frage des Genusses von Alkohol. Es überrascht erneut, dass die vielfältigen Regeln, die John Wesley für Menschen in allen Lebenslagen aufstellte, wie auch seine biblisch begründeten Standpunkte, die er in Predigten zu ganz praktischen Lebensfragen darlegte, eine große Weite eröffnen. Er stellt damit nicht gesetzmäßig einengende moralische Messlatten zur „wahren“ christlichen Lebensführung auf, sondern leitet zum disziplinierten, selbst verantworteten Handeln in der Gemeinschaft an.
  • Anlässlich der vor 100 Jahren gegründeten österreich-ungarischen Missionskonferenz der Bischöflichen Methodistenkirche, der Vorläuferin der heutigen Konferenzen der EmK in Österreich und Ungarn, hat Helmut Nausner noch einmal die Motive und Umstände der Anfänge wesleyanischer Missionen, der Zusammenführung mit der Mission der Bischöflichen Methodistenkirche, unterstützt von der Baronin von Langenau, bis hin zu eben jenem ersten Schritt organisatorischer Etablierung zu einer Missionskonferenz zusammen getragen. Dabei erinnert er auch mit kurzen Lebensbildern der Bischöfe, die in der beschriebenen Zeit die Aufsicht der bischöflich-methodistischen Missionsarbeit in Europa inne hatten und wesentliche Impulse zur Ausrichtung der Arbeit gegeben haben: Bischof John Heyl Vincent, Bischof William Burt und Bischof John Louis Nuelsen.
  • Wie nun schon lange bewährt, finden sich auch in diesem ersten Heft eines Jahres die Methodistica, zusammengestellt von Dr. Christoph Raedel. Die EmK Geschichte ist die einzige methodistische Publikationen im deutschsprachigen Raum, die jährlich die Neuerscheinungen zu historischen und theologischen Fragen des Methodismus von deutschsprachigen Autoren oder zu methodistischen Themen im deutschsprachigen Kontext publiziert. Christoph Raedel sei an dieser Stelle für seine Recherchen herzlich gedankt.

Mit diesem Halbjahresheft verabschiede ich mich von Ihnen als Herausgeberin der EmK Geschichte und danke für Ihr Interesse an historischen Themen im weiten Feld methodistischer Forschung. Nach elfjähriger Leitung der Studiengemeinschaft für Geschichte der EmK, konnte ich nun mein Amt, das ich mit viel Freude und Interesse, dennoch auch unter zunehmender Arbeitsbelastung und Zeitdruck entfaltet habe, gelassen in die Hände von Dr. Michael Wetzel übergeben. Ihn hat der Kirchenvorstand gewählt und in die Nachfolge als Leiter der Studiengemeinschaft berufen hat. In seiner besonnenen und freundlichen Art wird er als ausgewiesener und kompetenter Historiker die Arbeit weiterführen. Hierzu wünsche ich ihm auch an dieser Stelle Kreativität und Mut, versierte Autoren wie auch interessierte Leser, aber vor allem und über allem wünsche ich ihm und Ihnen: Gottes Segen!

Ulrike Schuler

Inhaltsverzeichnis:

Editorial
Auszeichnung der GCAH von Pastor i.R. Prof. Helmut Nausner

Studien
Rüdiger Minor:
Adaption oder Anpassung. Die Arbeit an den „Sozialen Grundsätzen“
der Evangelisch-methodistischen Kirche im Bereich
der Zentralkonferenz der DDR

Stefanie Reinert:
Der Weltgebetstag der Frauen – Ökumene im Sinne John Wesleys?

Ulrich Ziegler
Kirche und Kirchenraum – ein Überblick mit Überlegungen zum
methodistisch geprägten Kirchenbau

Kleine Studien
Helmut Nausner:
John Wesley und der Alkohol

Helmut Nausner:
Erinnerung an die Gründung der Missionskonferenz 1911
im Rahmen der österreichisch-ungarischen Monarchie

Methodistica 2010
Rezension
RAEDEL; Christoph (Hg.): Als Beschenkte miteinander unterwegs. Methodistisch-katholische Beziehungen auf Weltebene. Göttingen 2011            [Reutlinger Theologische Studien Band 7]

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